„In order to win a race it is first necessary to finish.“ – eine Rezension: Richard von Frankenberg – Motorsporthelden, Molino Verlag 2020

Recht früh zu Beginn meines Blogs verfasste ich eine Rezension über die Biografie des Automobiljournalisten Richard von Frankenberg. Bekannt ist er bis heute vor allem durch seinen spektakulären Unfall auf der Berliner Avus mit einem Porsche 550 Spider, bei dem er den Sturz aus der Steilkurve im freien Fall relativ unbeschadet überlebte. Diese damalige Biografie verfasste sein Sohn Donald von Frankenberg. Dieser beschreibt aus einem sehr persönlichen, eben familiär begründeten Bezug heraus ausgesprochen dicht den persönlichen Werdegang seines Vaters. Ausgehend von dessen Geburt und Aufwachsen im Schwäbischen in den 1920er Jahren, wo RvF in einem intellektuellen, aber auch der Technik in Form von Automobilen zugewandten familiären Umfeld aufwächst, und ihm dadurch den Raum zur Entwicklung lässt. Es geht um Kontakt mit dem Nationalsozialismus wie auch um die ersten motorsportlichen Aktivitäten Richard von Frankenbergs, langfristig prägende Etappen in dessen Jugend. Donald von Frankenberg zeigt detailiert, wie sein Vater zu der Persönlichkeit reift, welche nach dem Zweiten Weltkrieg sich langfristig in der öffentlichen Erinnerung verewigt: Richard von Frankenberg ist angetrieben von der Faszination für Rennsport, wie für alles im Zusammenhang mit Autos, im ganz allgemeinen, mit zuweilen skurilen Episoden.

Der Automobilrennsport wurde von Richard von Frankenberg sowohl selbst aktiv betrieben wie auch medial, mit all den in den Jahren der Nachkriegszeit bestehenden Möglichkeiten verwertet: Über die Publikation von Büchern, Artikeln, Essays bis zu später dann auch verantworteten TV-Beiträgen und eigenständigen, von ihm moderierten Sendeformaten. Darüber hinaus ließ es sich Richard von Frankenberg nicht nehmen, direkt am Geschehen als Streckensprecher bei den renommierten Rennsportveranstaltungen zu kommentieren.

Das hier nun besprochene neue Buch über Richard von Frankenberg richtet, anders als Sohn Donald, den Fokus nicht auf das Persönliche, sondern auf sein Können als Journalist, auf seine Fähigkeit, höchst lebendig zu beschreiben. Dies ist, wofür Richard von Frankenberg einst vor allem geschätzt wurde.

Es ist die Welt des frühen Motorsports in den 50er Jahren, ungefiltert, hemdsärmelig, mit der als notwendig empfundenen Akzeptanz von Improvisation und Gefahr.

Das angesprochene Buch „Richard von Frankenberg: Motorsporthelden“ bietet eine Sammlung von zwölf von Richard von Frankenberg verfassten Texten, bei einigen bis zu 30 Seiten Umfang. Es sind also nicht allein Artikel, es sind jeweils Essays, mit eingehender Betrachtung zur Thematik. Jedes eine Fundgrube. Und so sind diese Essays viele Jahrzehnte nach deren Entstehen auch ein Geschenk an den Leser: Er taucht ein. In Schilderungen des Renngeschehens welche eben nicht allein schlichte Schilderungen von Rennabläufen sind. Von Frankenberg begnügt sich nicht mit der Dokumentation von Superlativen. Vielmehr macht dieser deutlich: Es geht um das Erlebnis aller Beteiligten im Renngeschehen, ganz gleich ob Fahrer, Techniker, Zuschauer.

Richard von Frankenbergs Mittel: Er lässt in seinen Schilderungen Atmosphäre entstehen. So schildert der Journalist in einem Beitrag seine erste aktive Teilnahme an einer Rallye, mitnichten im einem Boliden, jedenfalls nicht im klassischen Sinne, sondern am Steuer eines Opel Kadett. Mit 1098 ccm, als Beifahrer assistiert von einem frisch gebackenem Doktor der Jurisprudenz von 100kg Lebendgewicht. Ein Lächeln bei den anderen,“ernsthaften“ Teilnehmern verursachte die Schilderung auch damals schon.

Von Frankenberg zeigt mit Augenzwinkern, das Erfolg erst einmal eine Frage der Einstellung ist: So ist der Beifahrer Dank seines körperlichen Format auch in der Lage, den Kadetten bei Bedarf mit einem kräftigen Griff wieder aus dem Graben zu hiefen. Von Frankenberg schildert Atmopshäre: Der kleine Opel ist für die beiden einsatzfreudigen, aber eben auch unbedarften Renn-Novizen das optimale Einsatzgerät. Denn: „Der Ölmessstab lag völlig trocken. Doch das störte uns wenig, da automobiltechnische Kenntnisse unser Gemüt noch nicht völlig getrübt hatten.“ (S. 95).

An solchen Schilderungen gewann ich als Leser den Einstieg, denn:

Auch ich begann fünf Jahrzehnte später im selbst ersparten, aber eben betagten und nur spärlich motorisierten Kleinwagen. Und bei folgenden Worten von Frankenbergs ist das Eis gebrochen: Es ist die wohl über die Jahre fortdauernde Erkenntnis: „Wenn man seinen Wagen sehr stark belädt, wird die Beschleunigung schlechter, doch an der Höchstgeschwindigkeit ändert sich nicht sehr viel.“

An der Stelle sehe ich mich wieder im roten Polo sitzen, auf dem Weg nach Texel. Der Wagen vollgeladen mit fünf Personen und deren Wintergepäck. Richard von Frankenberg kam einst zur gleichen Erkenntnis. Und wurde damit zur Legende.

Auf dieser Ebene zeichnen sich Richard von Frankenbergs Worte fortwährend aus: All seine kleinen Beobachtungen welche sich in Summe beim Leser im Kopf zum großen atmosphärischen Ganzen eines Rennzirkus wird. In den Anfangstagen in den 50ern, noch weitab von dem Perfektionismus, welcher – der Wahrnehmung nach – den Motorsport heute in allen Details prägt.

Und um es klar zu stellen: Es geht nicht nur um Amateursport, Richard von Frankenberg behandelt in seinen Essays auch die großen Motorsport-Ereignisse jener Tage: Es geht um den (legendären) Motorsport in Argentinien, oder um das von Zeitgenossen als epochal empfundene Können von Stirling Moss; dem besten Fahrer der Welt, der dennoch nie Weltmeister wurde. Von Frankenbergs Essays sind eine Fundgruppe. Man liest, und taucht ein. Und eben auch in Anekdoten.

So berichtet von Frankenberg etwa von seiner gemeinsamen Teilnahme mit dem damaligen Chefredakteur der Auto, Motor und Sport an der Mille Miglia 1952, in einem Porsche 356. Mit Augenzwinkern berichtet er, wie die beiden dabei aus beiläufigem Pragmatismus „das Gebetbuch“ erfanden, einem heut nicht mehr wegzudenkendes Detail: „Da wir als Deutsche alles nur mit System betrieben, wollten wir auch die Mille-Miglia-Strecke systematisch erforschen.“ (…) „Wir prägten seinerzeit einen Ausdruck für diese Aufschriebe, der sich in Sportfahrerkreisen allgemein durchgesetzt hat. Wir nannten sie „das Gebetbuch“.“

Über all dies geschilderten Details erschließt sich dem Leser der Wert von Frankenbergs Essays: Der Rennzirkus von damals war in fast allen Bereichen noch immer Experimentierfeld, sei es im Technischen wie Praktischen: Der Reiz für die Teilnehmer war die Herausforderung zum Experimentieren und ja, bei Bedarf eben auch zur Improvisation an sich zu nehmen. Per se allgemeingültige Lösungen gab es eben nicht, um am Ende den Sieg zu erlangen.

Richard von Frankenbergs Essays entstammen einem Entstehungszeitraum von gut zwei Jahrzehnten. Die hier geschilderten Details mögen einen Eindruck geben von der Qualität der Texte. Sie erlauben einem, dieses Buch in die Hand zu nehmen, und die Zeit zu finden, tief einzutauchen.

Flankiert wird das Dutzend Essays Richard von Frankenbergs durch die Aufsätze namhafter Weggefährten, namentlich Dr. Wolfgang Porsche, Prinz Leopold „Poldi“ von Bayern, Hans Herrmann & Hans-Joachim Stuck . Sie nutzen den Anlaß, ihre Erlebnisse mit von Frankenberg wie auch im damaligen Renngeschehen zu rekapitulieren, um es für eine eigene Betrachtung, eine Reflektion über Damals und Heute im Rennsport zu nutzen.

In der Zusammenstellung des Buches ist dieser Griff geschickt gewählt. Es bietet dem Leser so die Brücke vom Damals, mit den „Motorsporthelden“, so eben der Titel des Buches, zum Heute.

Das Buch ist ein Lesevergnügen, ein kurzweiliges Eintauchen in die Welt der“Motorsporthelden“. Und eine geschickte Ergänzung zur bereits vorliegenden Biografie, hier nun mit gut ausgewählten Blick auf Richard von Frankenbergs schreiberische Qualitäten. Publiziert wird das im August 2020 erstmals erschienene Buch „Richard von Frankenberg: Motorsporthelden“ von Philipp Fürst zu Hohenlohe und Langenburg , welcher ua. Hausherr des Automobilmuseums Langenburg ist. Hier besteht der persönliche Kontakt, Richard von Frankenberg und sein Vater gründeten das Museum 1970. Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg lässt es sich daher auch nicht nehmen, einen eigenen Essay beizusteuern.

Flankiert wird das Ganze mit einer tollen Auswahl fein reproduzierter, zeitgenössischer Fotos und vor Zeitkolorit platzenden Rennplakaten, aus den Archiven von Porsche, BMW, Mercedes, dem Automuseum Schloß Langenburg.

Fazit: Ein fein redigiertes Lesebuch, und mit Register am Ende aller in den Texten erwähnten „Motorsporthelden“ von damals.

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Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg: Richard von Frankenberg – Motorsporthelden, Molino Verlag, Schwäbisch Hall 2020, 28,- Euro.

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2 Antworten zu „In order to win a race it is first necessary to finish.“ – eine Rezension: Richard von Frankenberg – Motorsporthelden, Molino Verlag 2020

  1. Pingback: Gedanken zum automobilen Tage: Zwimo-Blog über das Buch von Fürst Philipp - Molino

  2. fahrvergnuegen schreibt:

    Der das Buch verlegende Verlag hat meine Rezension in seinem Unternehmensblog veröffentlicht, noch dazu eigens illustriert mit einem historischen sw-Foto von Richard von Frankenberg am Steuer eines Porsche 550 Spider, beim Start eines Flugplatzrennens; entnommen aus dem Archiv der Porsche AG – Vielen Dank.

    Hier ist der Link:
    https://molino-verlag.de/2021/05/11/gedanken-zum-automobilen-tage-zwimo-blog-ueber-das-buch-von-fuerst-philipp/

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